Rund 60 Gäste informierten sich am 11. Februar 2026 im Sportheim über die geplante Wählergemeinschaft und einen Bürgerverein. Ziel ist, die Ratsbildung bei der Kommunalwahl 2026 zu sichern und Engagement vor Ort zu stärken.
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Am 11. Februar 2026 um 18.30 Uhr hatte eine Gruppe Sehlder Initiatorinnen und Initiatoren in das Sportheim eingeladen. Das Interesse war groß, der Parkplatz war voll, einige Zuhörerinnen und Zuhörer mussten stehen.
Annika Bollmeier eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die Gäste. Arno Festerling übernahm im Anschluss und stellte die fünf Initiatoren vor: Michael Schadler, Carsten Baumann, Annika Bollmeier, Florian Becker und Arno Festerling. Er dankte dem SSV Sehlde für die Bereitstellung und Bewirtschaftung des Sportheims.

Warum eine neue Wählergemeinschaft?
In einer Präsentation schilderte Florian Becker die Ausgangslage. Er nannte unter anderem ein rückläufiges Kulturangebot, Verbesserungsbedarf bei der Kinder- und Jugendarbeit sowie die sinkende Zahl von Kandidatinnen und Kandidaten für die kommende Kommunalwahl 2026. Es bestehe die Gefahr, dass bei zu wenigen Bewerbungen kein Gemeinderat konstituiert werden könne.
Nach Darstellung der Initiatoren bestehe die Gefahr, dass bei zu wenigen Bewerbungen kein Gemeinderat konstituiert werden könne. In diesem Zusammenhang wurde ausgeführt, dass in einem solchen Fall die Kommunalaufsicht einen Verwalter einsetzen könne. Im schlimmsten Fall könne es zu einer Fusion kommen. Beides wurde als Szenario beschrieben, das aus Sicht der Initiatoren vermieden werden solle, da damit die eigenständige politische Gestaltung vor Ort erheblich eingeschränkt wäre.
Carsten Baumann erläuterte die aktuelle Situation im Rat. In Sehlde sind neun Sitze möglich, acht sind derzeit besetzt. Sieben Mandate wurden über die SPD-Liste errungen, von diesen stehen vier nach bisherigen Angaben nicht erneut zur Verfügung. Eine aktive SPD-Struktur im Ort gibt es nicht mehr; der frühere Ortsverein ist im überörtlichen Ortsverein der Samtgemeinde Baddeckenstedt aufgegangen. Wie andere Parteien zur Wahl antreten, ist derzeit nicht bekannt.
Der Eintritt in eine Partei werde von manchen als Hürde empfunden, so die Einschätzung der Initiatoren. Eine Wählergemeinschaft ermögliche kommunalpolitisches Engagement ohne Parteimitgliedschaft.
Unterschied zwischen Wählergemeinschaft und Bürgerverein
In der Fragerunde wurde der Unterschied zwischen Wählergemeinschaft und Bürgerverein ausführlich erläutert.
Eine Wählergemeinschaft ist eine politische Vereinigung, die – anders als ein eingetragener Verein – Wahlvorschläge einreichen kann. Sie tritt zur Kommunalwahl 2026 mit einer eigenen Liste an und bildet nach der Wahl eine Fraktion im Gemeinderat. Formale Parteistrukturen wie bei klassischen Parteien sind nicht zwingend vorgesehen.
Ein Bürgerverein hingegen ist ein eigenständiger Verein, der keine Wahlliste einreichen kann. Er soll als gesellschaftlicher Unterbau wirken und Menschen ansprechen, die sich vor Ort engagieren möchten, ohne selbst für ein Mandat zu kandidieren. Der Verein soll einen Vorstand erhalten und gegebenenfalls als gemeinnützig anerkannt werden. Name und Beitragshöhe stehen noch nicht fest, „Bürgerverein“ ist bisher ein Arbeitstitel.
Beide Strukturen sollen eng zusammenarbeiten. Denkbar ist, dass Vorstandsmitglieder des Vereins an Fraktionssitzungen teilnehmen und umgekehrt. Ziel sei es, gemeinsam die Entwicklung Sehldes zu gestalten.
Mitarbeit und Ablauf
Wer Mitglied der Wählergemeinschaft werden möchte, muss in Sehlde wohnen und mindestens 18 Jahre alt sein. Die Wählergemeinschaft kann bis zu 14 Personen auf ihrer Liste für die Kommunalwahl 2026 benennen. Über die Reihenfolge entscheiden die Mitglieder in einer Aufstellungsversammlung im März 2026. Ein genaues Datum steht noch nicht fest. Wer sich in die ausgelegte Liste eingetragen hat oder sich noch einträgt und sein Interesse bekundet, wird per E-Mail eingeladen.
Die Mindestanforderung an ein Ratsmandat wurde ebenfalls thematisiert. Erwartet werden etwa vier Gemeinderatssitzungen sowie vier bis fünf Fraktionssitzungen pro Jahr. Darüber hinaus sei es sinnvoll, sich in Ausschüssen einzubringen oder als Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Die Ratsmitglieder tragen Verantwortung für Entscheidungen und für die Verwendung kommunaler Mittel.
Hybridsitzungen sind inzwischen möglich, sodass auch Personen mit familiären Verpflichtungen oder beruflicher Abwesenheit teilnehmen können.
Zur Frage, ob eine lokale Wählergemeinschaft auch überörtlich wirken könne, erklärten die Initiatoren, dass angestrebt werde, auch im Rat der Samtgemeinde Baddeckenstedt vertreten zu sein. Zudem bestehe das Angebot der SPD, auf deren Liste zu kandidieren oder sich nach der Wahl mit anderen Parteien oder Wählergemeinschaften zu Fraktionen oder Gruppen zusammenzuschließen. Unabhängig davon ist die Gemeinde über die Bürgermeisterrunde in der Samtgemeinde vertreten.
Ob und in welcher Form eine Zusammenarbeit mit „Bürger für Burgdorf“ oder dem „Bürgerforum Haverlah“ erfolgen könnte, ist offen. Man stehe im Austausch, konkrete Vereinbarungen gebe es nicht.
Nach Angaben der Initiatoren liegen derzeit 22 Zusagen für die Wählergemeinschaft und 43 für den geplanten Bürgerverein vor. Nachmeldungen sind weiterhin möglich, Ansprechpartnerin ist Annika Bollmeier. Informationen sollen künftig auch über Sehlde.info im Bereich Vereine und Organisationen sowie über die geplante Internetseite buergerverein.sehlde.info bereitgestellt werden.
Für Sehlder Bürgerinnen und Bürger, die sich für die Zukunft des Ortes interessieren, bietet sich damit eine neue Möglichkeit zur Mitgestaltung – politisch im Rahmen der Wählergemeinschaft oder gesellschaftlich im künftigen Bürgerverein.