Pop-up-Café macht die Sehlder Mühle erlebbar

Das Pop-up-Café der Kulturinitiative lockte 70 bis 80 Gäste auf die Sehlder Mühle. Viele entdeckten dabei erstmals die Mühleninsel, die historische Technik und die Fischteiche.

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Die Sehlder Mühle kennen viele Menschen im Ort zumindest vom Vorbeifahren oder vom Blick über die Innerste. Dass hinter der Mühle eine rund 3,7 Hektar große Insel mit historischen Gebäuden, Wiesen, Wald und Fischteichen liegt, war dagegen vielen Besucherinnen und Besuchern des Pop-up-Cafés am Sonntag, 16. August 2026, bisher nicht bekannt.

Die Kulturinitiative Sehlde hatte ab 15.00 Uhr auf die Mühleninsel eingeladen. In der Scheune war ein Café eingerichtet. Tische und Stühle, eine Sofaecke und eine kleine Bühne schufen eine ungezwungene Atmosphäre. Dazu gab es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Statt der ursprünglich erwarteten etwa 20 Gäste kamen nach Einschätzung von Heike Brümmer und dem Team der Kulturinitiative rund 70 bis 80 Besucherinnen und Besucher.

Ein bisher wenig bekannter Teil Sehldes

Viele Gespräche vor Ort drehten sich nicht nur um Kaffee und Kuchen. Mehrere Besucherinnen und Besucher berichteten, dass sie das Gelände zwar seit Jahren von Sehlde aus kennen, selbst aber noch nie auf der Mühleninsel gewesen waren. Noch weniger bekannt war der Weg hinter der Mühle zu den Fischteichen und zum Innerste-Wehr.


Der etwa einen Kilometer lange Weg führte durch ein kleines Waldstück zu den Teichen. Dort empfingen die Pächter um Jörg Bollmeier und Marvin Korff die Gäste. Bei Würstchen und Getränken ergaben sich weitere Gespräche. So wurde das Pop-up-Café zugleich zu einer Gelegenheit, einen Bereich des eigenen Dorfes neu kennenzulernen.



Auch die historische Mühle selbst konnte besichtigt werden. Im Turbinenraum waren die technischen Anlagen zu sehen. Die Turbinen liefen an diesem Nachmittag allerdings nicht. Aufgrund des derzeit niedrigen Wasserstands der Innerste reicht die Wassermenge nicht für den Betrieb aus. Alte Dokumente, darunter ein historischer Straßenplan und Unterlagen zur Mühle, ergänzten die Einblicke.

Von der Roggenmühle zur Stromerzeugung

Die Geschichte der Mühle reicht nachweislich bis 1716 zurück. Das heutige Mühlengebäude wurde zwischen 1867 und 1872 errichtet, der gegenüberliegende Kuhstall folgte 1911. Wilhelm und Marlis Beyes übernahmen die Hofstelle 1956. Bis 1963 wurde dort Getreide zu Mehl verarbeitet, anschließend wurde die Mühle für Lohnschroterei genutzt.

1976 wurde die Wasserkraftanlage mit einer Turbine und einem Generator zur Stromerzeugung ausgestattet. 1987 folgte der Einbau einer zweiten Turbine sowie die Erneuerung des Rechenreinigers und des Turbineneinlaufs. 2002 wurde das obere Wehr teilweise modernisiert. Die Wasserkraft gehört damit weiterhin zur Geschichte und zur heutigen Nutzung der Mühle.

Bei einem Rundgang durch die oberen Etagen der alten Roggenmühle zeigte sich, was von der früheren Technik noch erhalten ist. Ein Walzenstuhl und weitere technische Einrichtungen, darunter der alte Mühlenbremsfahrstuhl, sind noch vorhanden. Die Anlagen werden heute allerdings nicht mehr betrieben.

Eine Mühleninsel mit neuer Perspektive

Seit Juli 2024 liegt die Hofstelle bei Berit Löwe, einer Enkelin des letzten Müllers Wilhelm Beyes. Gemeinsam mit ihrem Partner Clemens Bongen und ihrer gemeinsamen Tochter lebt sie seit Ende 2024 auf der Mühle und möchte die Hofstelle weiterentwickeln. Die beiden nutzen unter anderem die Wasserkraft zur Stromerzeugung und bewirtschaften die rund 3,7 Hektar große Insel.

Knapp zwei Hektar davon sind Dauergrünland. Dazu kommen Gebäude- und Freiflächen, Teiche, Heide und etwa 0,1 Hektar Wald. Die Wiesen werden ein- bis zweimal im Jahr zur Heugewinnung genutzt. Für den Winter ist die Haltung von Schafen auf der Fläche vorgesehen, außerdem gibt es Pferde.

Der kleine Waldbestand soll langfristig im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten zu einem Mischwald entwickelt und etwas erweitert werden. Die Mühleninsel liegt allerdings in mehreren Schutzgebieten, darunter einem Gebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Bereichen zum Schutz der Vogelbrut. Veränderungen sind deshalb nur unter entsprechenden Voraussetzungen möglich.

Auch der Blumenanbau ist inzwischen Teil der Nutzung. Berit Löwe baut Schnittblumen nach den Grundsätzen der Slowflower-Bewegung an. Dabei geht es um regionale Blumen ohne Pestizide und Gifte.

Offen für Ideen aus dem Dorf

Berit Löwe und Clemens Bongen möchten die Mühle künftig stärker für die Dorfgemeinschaft oder auch überregionale Projekte öffnen. Der Unterhalt einer historischen Hofstelle mit den vorhandenen Gebäuden und technischen Anlagen ist für zwei Menschen allerdings eine große Aufgabe. Veranstaltungen und Projekte, die der Gemeinschaft dienen, sind deshalb willkommen.

Auch eine Ausstellung, etwa mit einer Modelleisenbahn, könne grundsätzlich auf dem Gelände stattfinden. Wer eine Idee hat, kann sich an Berit Löwe wenden.

Auch die Geschichte der Mühle selbst soll dabei nicht in Vergessenheit geraten. Als mögliche langfristige Perspektive steht die Idee einer kleinen Dauerausstellung zur Geschichte des Hofes und der Mühlentechnik.

Zur Geschichte der Mühleninsel gehört auch der Umgang und das Leben mit dem Wasser. Seit 1712 wird hier die Wasserkraft genutzt. Die Anlage wird regelmäßig durch die Untere Wasserbehörde des Landkreises kontrolliert, auch das Stauziel wird überprüft.

Hochwasser hat die Insel in der Vergangenheit überspült, die Gebäude blieben dabei nach den Erinnerungen des Ortsheimatpflegers Arno Festerling jedoch verschont. Festerling kannte auch Wilhelm Beyes und war früher häufig auf der Mühle.

Der Nachmittag hat damit mehr gezeigt als ein gut besuchtes Café. Die rund 70 bis 80 Gäste haben einen Teil Sehldes kennengelernt, den viele bisher nur von außen kannten. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass die historische Mühle nicht nur Vergangenheit ist. Zwischen Wasserkraft, Landwirtschaft, Naturschutz, Blumenanbau und Veranstaltungen entsteht die Möglichkeit, die Mühleninsel wieder stärker mit dem Dorfleben zu verbinden.

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